An die Stelle der Vergangenheitsbewältigung ist immer klarer die Vergangenheitsbewahrung getreten. Sie beginnt mit der Einsicht in die Unbeendbarkeit der Schuld und die Irreparabilität des Schadens, für den es keine Wiedergutmachung und Versöhnung gibt - nur die Solidarität in der Erinnerung.

Wir organisieren

  • Als Lokalgruppe des Mauthausen Komitees Österreich (MKÖ) wollen wir der   hunderten jüdischen und anderen Opfer des NS-Regimes gedenken, die im ehemaligen ZwangsarbeiterInnenlager Liebenau den Tod fanden. Indem wir die Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse bewahren und die Diskussion darüber in der Öffentlichkeit aufrechterhalten, wird die geschichtliche Verbindung zur Gegenwart hergestellt. So ist die 1948 verkündete Erklärung der Menschenrechte durch die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen eine direkte Reaktion auf die Schrecken des 2. Weltkriegs und den Holocaust.
  • Wir wollen, dass mehr als siebzig Jahren nach diesen Verbrechen im heutigen Wohngebiet Grünanger eine dem Anlass entsprechende Gedenkstätte mit einem Museum errichtet wird, welches auch die Dimension des „Lagerarchipels Liebenau“ für rund zehntausende ZwangsarbeiterInnen veranschaulicht.
  • Wir wollen, dass die Suche nach Mordopfern durch archäologische Forschungen erfolgt, sodass die Bebauung des Gebietes mit Sozialwohnungen nicht in der Nähe oder auf möglichen Grabstätten erfolgt. Zeithistorische Forschungen sollen das spärliche Wissen über die Lebensumstände der Lagerinsassen und die Verbrechen der TäterInnen der Grazer NS-Verwaltung und des Steyr-Daimler-Puchwerkes vertiefen.
  • Wir treten gegen jegliche Verharmlosung der Verbrechen des NS-Regimes und gegen alle Formen von Diskrimierung, Rassismus und Antisemitismus auf. 
  • Um diese Ziele zu erreichen, wenden wir uns an die Öffentlichkeit, organisieren Veranstaltungen und arbeiten mit anderen Organisationen und Bildungseinrichtungen zusammen. 

Wir gedenken

  • der im Lager Liebenau ermordeten Jüdinnen und Juden, die in den letzten Kriegstagen im April 1945 in Todesmärschen von der ungarischen Grenze zu Tausenden durch Graz ins KZ Mauthausen getrieben wurden. 1947 wurden am Grünanger aus einem Massengrab in der Nähe der Mur 53 Opfer geborgen, ermordet von Werkschutz und SS. 1992 fand man zwei Opfer beim Neubau des Kindergartens in der Andersengasse. Die Grabstätten unzähliger weiterer Opfer sind nicht bekannt.
  • der abertausend russischen Kriegsgefangenen, die 1941 in die Steiermark gelangten. Die meisten wurden durch Nahrungsentzug und Nichtbehandlung ihrer Krankheiten ermordet. Wie viele Opfer in der Nähe des „Russenlagers“ (Freizeitzentrum Auwiese) begraben liegen, ist unbekannt.
  • der tausenden Arbeitssklaven aus ganz Europa, die am Grünanger, im Lager Neudorf, im Zwangsarbeitslager Thondorf und "Russenlager" gefangen waren und für die Steyr-Daimler Puchwerke arbeiten mussten.
  • der Frauen, an denen im Lager Liebenau und in der Grazer Frauenklinik Zwangsabtreibungen vorgenommen wurden und grausamen medizinischen Experimenten ausgesetzt waren.

News und Veranstaltungen

„Lager Liebenau – ein Ort verdichteter Geschichte“ »

Ab Mitt­woch, 14. No­vem­ber 2018 im Graz­Mu­se­um

06-11-18 Mit die­ser Aus­stel­lung im Graz­Mu­se­um hat sich der von uns 2013 for­mu­lier­te Leit­ge­dan­ke, „die In­for­ma­ti­on ins Zen­trum der Stadt zu brin­gen“, rea­li­siert. Da­mit ist das Er­in­nern an das La­ger Lie­benau in die of­fi­zi­el­le Ge­schichts­sch­rei­bung der Stadt Graz ein­ge­gan­gen. Un­se­re For­de­run­gen blei­ben je­doch auf­recht! »

„Erinnern hat kein Ende - die Wahrheit über den Holocaust in Graz ist zumutbar!“

Der Mord an rund sechs Millionen JüdInnen, Roma, Sinti, Homosexuellen, Behinderten darf einfach nicht vergessen werden. Das Mindeste, das wir Nachfahren tun können ist, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass diesen Opfern die Würde zurückgegeben wird. 

Und das gibt zu denken:  

Noch nie war die FPÖ von so vielen Burschenschaftern durchsetzt wie heute. 17 der 51 Abgeordneten (33 Prozent) gehören deutschnationalen Verbindungen an, fünf der neun Landeschefs sind dabei. Im Parteivorstand haben sie die Absolute. 

4000 deutschnationale Burschenschafter soll es in Österreich geben (Kl.Ztg., 26.1.2018), Experten sprechen von 150 Korporationen und anderen Gruppierungen. Hochburgen der Burschenschaften sind die beiden Uni-Städte Wien und Graz. 

Wie wichtig es daher ist, die geschichtliche Verbindung zur Gegenwart herzustellen, zeigen Hass, Hetze und Extremismus, die nicht nur mehr den rechten Rand betreffen, sondern sich in die Mitte der Gesellschaft ausgebreitet haben. Rechtsextreme Medien wie die z. B. „Die Aula,“ rechte Burschenschafter und immer mehr nationale und regionale PolitikerInnen machen antidemokratische, fremdenfeindliche und antisemitische Äußerungen salonfähig und sind dabei, demokratische Grundprinzipien zu unterwandern. 

So ermöglichen auch Gedenkveranstaltungen - vor allem jungen Menschen - sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und mahnen, gegenwärtigem Antisemitismus und Extremismus entgegenzutreten.

Informationen

Zeittafel Lager Liebenau

1940
Errichtung des Lagers für so genannte „Volksdeutsche Aussiedler“ aus dem Donauraum von der „Volksdeutschen Mittelstelle“
1941
Verkauf an das Steyr-Daimler-Puch-Werk (Motoren, Getriebe, Panzerteile) als Lager für 5000 ZwangsarbeiterInnen und Sammellager für Menschen aus anderen Lagern in der Nähe („Russenlager“, „Strafarbeitslager Thondorf“, „Lager Neudorf“)
1945
Graz ist die Organisationszentrale des Todesmarsches ungarischer JüdInnen. Erste Transporte von Jüdinnen und Juden in das Lager Liebenau erfolgen zu Ostern 1945. 7000 bis 9000 Personenwerden Richtung Mauthausen getrieben, am 4. April sind es an die 7000 Menschen. Hunderte wurden in Graz ermordet und in Bombentrichtern verscharrt.
1945
Verkauf des Lagerareals „mit allen Altlasten“ an die Stadt Graz. Unterbringung von deutschen Flüchtlingen, später Barackensiedlung für Arme.
1947
„Liebenauer Prozess“ und Exhumierung von 53 Opfern. An den Morden beteiligt waren Gestapo, SS und Werkschutz des Puch-Werks. Drei Täter werden zum Tod verurteilt und hingerichtet - esgibt keine weiteren Gerichtsverfahren.
1991
Beim Neubau des städtischen Kindergartens in der Andersengasse 49 werden im „Lagerareal“ zwei Opfer unter höchsterGeheimhaltung geborgen und gerichtsmedizinisch obduziert. Weitere gerichtliche Massnahmen unterbleiben. Wohin ihre Gebeine verbracht worden sind, ist bis heute nicht bekannt.
2011
Bekanntwerden und Verbreitung der Forschungsergebnisse zum „Liebenauer Prozess“ aus dem Jahr 2003 von Univ. Doz. Barbara Stelzl-Marx aus dem Jahr 2003anlässlich der Planung des Kraftwerkes an der Mur.
2012
Beginn derEigenrecherche vor Ort mit Öffnung und Foto-Dokumentation des NS-Kellers Andersengasse 32 – 34
2013
Multitemporale Luftbildanalyse (Luftbilddatenbank Dr.Carls)mit Lokalisierung möglicher Massengräber. Diese Unterlagen werden von unserer Initiative dem Bundesdenkmalamt (BDA) zur Verfügung gestellt und dienen als Grundlage für weitere Maßnahmen durch das BDA.
2014
Archäologisches (Vor-) Gutachten von Univ.Prof. Claudia Theune-Vogt,Dekanin der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät (nicht publiziert).
2015
Luftbildfotogrammetrisches Gutachten, Dipl. Ing Fuxjäger / ADP- Rinner, Lokalisation der Verdachtsflächen auf +/- 50cm.
Dokumentation der Reste zweier geöffneter und ausgeräumterBombentrichter (Wiki-Jugendzentrum, ehemaliger Konsum).
2015
Ausweisung des gesamten Grünanger und des Gebietes vom Petersbach bis einschließlich Seifenfabrik als „archäologische Bodenfundstätte“.
2016
Denkmalschutz des Kellers in der Andersengasse 32-34.
2017
Archäölogische Grabungen im Rahmen der Baustelle zum Murkraftwerk.
Umfangreiche Freilegung von Lagerstrukturen (Bunkeranlagen,Barackenfundamente, Fundstücke, Graffiti von Opfern / Tätern.
Denkmalschutz Bunkeranlage mit Graffiti (überbaut durch Jugendzentrum).

Literaturangaben:

Eleonore Lappin-Eppel, Ungarisch-Jüdische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Österreich 1944/45: Arbeitseinsatz - Todesmärsche -Folgen, Wien 2010

Barbara Stelzl-Marx, Der „Liebenauer Prozess“: NS-Gewaltverbrechen im Spiegel der steirischen Nachkriegspresse, in: Verein zur Förderung justizgeschichtlicher Forschungen und Verein zur Erforschung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und ihrer Aufarbeitung (Hg), Justiz und Erinnerung. Nr. 7/ Februar 2003, S. 2-12.

Barbara Stelzl-Marx, Das Lager Graz-Liebenau in der NS-Zeit. Zwangsarbeiter – Todesmärsche – Nachkriegsjustiz. Graz 2012.

Gabriele Czarnowsky, Überwiesen vom Lagerarzt. Zwangsarbeiterinnen des Lagers Liebenau als Patientinnen der Grazer Universitäts-Frauenklinik und das „Camp Hospital“ der Steyr-Daimler-Puch Werke, Graz in: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz, Graz 2018 http://www.leykamverlag.at/shop/files/Leseprobe/Blick-ins-Buch-GeschlechterGeschichten.pdf??XTCsid=1a78c2d25a1342c8d517b20eb93395cc

Heimo Halbrainer, Das Lager in Graz Liebenau, https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsarbeiterlager_Graz-Liebenau

1945 - 2017 Gedenken - Symposiumsbericht

Dateivorschau: Symposiumbericht-2017-.pdf
Symposiumbericht-2017-.pdf

1945 - 2017 Gedenken - Symposiumsbericht

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pdf, 4.8M, 01.04.2018

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25-09-17 De­mo­lie­run­gen letz­ter Aus­gra­bun­gen durch Stadt Graz!. Un­fass­bar!! Am Frei­tag 22.9. be­gan­nen die Zer­stör­un­gen der ar­chäo­lo­gi­schen Aus­gra­bun­gen und da­mit die Be­sei­ti­gung ei­nes wich­ti­gen Er­in­ne­rung­s­or­tes an die Op­fer des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus in Lie­benau, Sch­re­ber­gär­ten wer­den er­rich­tet. Das al­les, noch…